Boxerzucht

 aus Berlin/Brandenburg




Es soll also ein Deutscher Boxer Welpe werden. Vermutlich lesen Sie gerade Fachliteratur zum Boxer und der Hundehaltung allgemein, durchforsten das Internet und verlieben sich bei jedem Bild und jedem Video mehr in diese tolle Rasse. Zu Recht!



Doch bevor Sie nun Kleinanzeigen durchstöbern oder nach geeigneten Boxer-Züchtern in Ihrer Nähe suchen, sollten Sie kurz innehalten und überlegen, ob Ihre Lebensumstände und Ihre Wohnsituation mit der Haltung eines Deutschen Boxers vereinbar sind. Dabei sollten Sie bitte Nichts schön reden oder durch eine rosarote Brille betrachten. Hundehaltung bedeutet eine riesige Verantwortung und sollte darum nie leichtfertig getroffen werden.

Überlegen Sie also Folgendes:

  • Ist jeder in Ihrem Haushalt mit dem Boxer einverstanden?
  • Hat jemand Angst vor Hunden oder gar eine Phobie?
  • Gibt es Allergien, die gegen die Hundehaltung sprechen?
  • Wäre der Boxer tagsüber viel alleine?
  • Haben Sie genug Platz? Wohnungshaltung ist bei ausreichender Bewegung/Beschäftigung schon okay, doch eine Etagenwohnung ohne Lift wäre beispielsweise Gift für Gelenke und Bewegungsapparat des Boxers und darum ein Ausschlusskriterium.
  • Ein Hund ist auf seine Menschen angewiesen und ein Boxer kann rund 12 Jahre Leben. Sind Sie bereit so lange die volle Verantwortung zu übernehmen?
  • Wer kümmert sich um den Hund, wenn Sie einmal krank sind oder in den Urlaub fahren?
  • Hunde und vor allem Welpen sorgen für eine gewisse Menge an Unordnung und Dreck (z.B. Hundehaare). Macht Ihnen das etwas aus?
  • Stubenreinheit passiert nicht innerhalb von ein paar Tagen. Wie denken Sie über Häufchen oder Bächlein in Ihrer Wohnung?
  • Haben Sie Zeit und Lust, einen Großteil Ihrer Freizeit der Erziehung und Beschäftigung Ihres Hundes zu widmen?
  • Ist die Hundehaltung finanziell abgesichert? Der Kaufpreis und die Erstausstattung sind ja nur der Anfang.

Wie finde ich einen seriösen Boxer-Züchter?

Wenn Sie hier noch weiterlesen … Glückwunsch. Scheinbar spricht nichts gegen den Kauf und die Haltung eines Boxer Welpenund Sie sind sich der Verantwortung bewusst. Dann kann die aufregende Suche nach einem kleinen Wirbelwind ja losgehen!

Im Internet werden viele fündig. Hier ist das Angebot sehr groß. Es gibt reinrassige Deutsche Boxer mit Stammbaum, solche ohne irgendwelche Papiere, Mischlinge und nicht zuletzt auch Boxer in Not, die vermittelt werden sollen. Dabei stolpern Sie sicherlich über Welpen von eingetragenen Boxer-Züchtern, von privaten Hobbyzuchten ohne Vereinszugehörigkeit und natürlich tummeln sich auch weniger seriöse Anbieter im Netz.

Halten Sie die Augen offen, nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand und seien Sie skeptisch, wenn ein Angebot allzu verlockend erscheint.

Welche Vereine für den Deutschen Boxer gibt es?

Wer einen seriösen Züchter sucht, ist bei Clubs gut aufgehoben, die dem VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen)angehören. Sie züchten nach FCI-Rassestandard , haben Gesundheitsvorschriften und kontrollieren und schulen ihre Mitglieder, sprich: Züchter. Auch die Welpen werden von einem Zuchtwart besucht und begutachtet.

Dem VDH gehören folgende Clubs an:

Checkliste: So erkennen Sie einen guten Züchter

  • Sie werden vor dem Kauf eingehend beraten
  • Der Züchter wird Ihnen bei ungünstigen Bedingungen ehrlich von einem Kauf abraten und gibt seine Schützlinge nicht an jeden ab
  • Selbst nach dem Kauf, dürfen Sie den Züchter bei Fragen kontaktieren
  • Die Boxerwelpen werden gechipt, geimpft und entwurmt abgegeben
  • Die Zuchtstätte macht einen gepflegten Eindruck und bietet den Hunden viel Platz
  • Sie dürfen die Wurfkiste und die Mutter sehen (ggf. auch den Deckrüden)
  • Sie erhalten sämtliche Papiere des Welpen
  • Es sind nicht ungewöhnlich viele Hunde in der Zuchtstätte oder gleich mehrere Rassen
  • Den Züchter interessiert es, wo seine Welpen hinkommen

Vorsicht ist hingegen geboten, wenn:

  • Sie zum Kauf gedrängt oder überredet werden
  • Gleich eine ganze Reihe von unterschiedlichen Rassehunden angeboten wird
  • Der Welpe ohne Impfung oder Wurmkur abgegeben wird
  • Es keinen implantierten Transponder gibt (VDH-Welpen werden IMMER mit Mikrochip abgegeben)
  • Der Boxer aus dem Auto heraus verkauft wird oder auf einem Parkplatz etc.
  • Der Hund an einer vereinbarten Stelle übergeben werden oder zu Ihnen nach Hause gebracht werden soll
  • Sie keinerlei Papiere erhalten
  • Sie weder Mutterhündin noch den Wurf sehen dürfen
  • Der angebotene Boxer Welpe krank aussieht
  • Der Kaufpreis für einen Rassehund zu niedrig erscheint

Was kostet ein Deutscher Boxer Welpe?

Der Kaufpreis sollte definitiv kein Kriterium für die Auswahl des Hundes sein. Vielleicht erscheint es zunächst übertrieben viele Hundert Euro für einen Deutschen Boxer Welpen auszugeben, wo ein anderer Hund der gleichen Rasse wesentlich günstiger angeboten wird. Doch wer beim Kaufpreis für den Boxer Welpen spart, tut dies oft am falschen Ende.

Wie tief Sie am Ende für den Deutschen Boxer in die Tasche greifen, hängt zum Großteil davon ab, wer den Welpen gezüchtet hat. Handelt es sich um eine private Hobbyzucht ohne Kontrolle durch einen Verein, werden die Welpen sicherlich preiswerter abgegeben, als die Schützlinge des VDH-Züchters. Natürlich sind nicht alle „vereinslosen“ Zuchten zu verteufel und es gibt definitiv große Qualitätsunterschiede.

Während die einen viel Wert auf Gesundheit, medizinische Versorgung, eine gute Aufzucht und Sozialisation legen, verpaaren andere „Züchter“ ihren Boxer womöglich nur Spaßes halber (Welpen sind doch sooo süß) oder weil die Hündin einmal geworfen haben sollte. Das hier wenig Wissen und Wert auf Genetik und Zuchtauslese gelegt wird, versteht sich von selbst.Dementsprechend hoch ist das Risiko einen kranken oder erblich vorbelasteten Welpen zu erwerben.

Natürlich sind Boxer Welpen vom Vermehrer am günstigsten und wer hier zugreifen möchte, sollte einmal darüber nachdenken, warum die Welpen so billig abgegeben werden können. Was macht der Vermehrer anders, als der eingetragene Club-Züchter?

Warum ist ein Boxer Welpe vom Züchter so teuer?

Wer sich einmal vor Augen führt, welche finanziellen und zeitlichen Aufwendungen ein guter Züchter in Kauf nimmt, um wesensfeste und gesunde Nachkommen mit seinen Zuchttieren zu erhalten, wird schnell begreifen, dass ein Boxer Welpe nicht zum Schleuderpreis verkauft werden kann:

  • Er zahlt Mitgliedgebühren in einem Verein
  • Hat ein umfassendes Wissen zur Hundezucht und besucht Fortbildungen
  • Er zahlt Startgelder bei Prüfungen, Ausstellungen, Shows
  • Seine Zuchtstätte produziert laufende Kosten (Wasser, Strom, Futter, Zubehör, Pflegeutensilien, Instandhaltung, Spielzeug usw.)
  • Seine Zuchttiere werden regelmäßig geimpft und entwurmt
  • Er zahlt Decktaxe, falls er keinen eigenen Deckrüden hat
  • Seine Hunde werden vor dem Zuchteinsatz medizinisch begutachtet und erhalten nur nach eingehender Prüfung eine Zuchtzulassung
  • Tierarztgebühren für alle Hunde der Zuchtstätte (Routine, Vorsorge, Krankheit)
  • Hündin und Welpen erhalten hochwertige Spezialnahrung
  • Tierärztliche Überwachung der Trächtigkeit und Kontrolle der Welpen
  • Kosten für ausgediente Zuchthunde und Welpen, die keinen Käufer finden
  • ImpfungenMikrochips und Wurmkuren für die Welpen

Nicht zu unterschätzen ist der Zeitfaktor:

  • Spazierengehen mit allen Hunden
  • Training und Beschäftigung
  • Verkaufsgespräche und Kundenberatung
  • Schulungen
  • Sozialisation und Gewöhnung des Wurfs
  • Fütterungen
  • Reinigen und Pflegen der Zuchtstätte
  • Pflege aller Hunde
  • Versorgung der Welpen (Helfen bei der Geburt, Flaschenaufzucht, reinigen der Racker nach der Fütterung)
  • Um den Geburtstermin schlafen neben der Wurfkiste

Fazit: Sehr viel Zeit, Herzblut und Geld wird in Haltung und Aufzucht investiert. Der Kaufpreis für den Boxer Welpen fährt oftmals nur einen kleinen Gewinn ein und deckt eher die entstandenen Kosten bis zur Abgabe der Welpen.